Karl Emil Scherz und die Villa Haenel in Dresden-Blasewitz

Im März 2021 zogen wir von unserem heißgeliebten Fabrikloft in Striesen in die Villa Haenel auf der Tauscherstraße. Diese wurde 1889 nach Plänen von Karl Emil Scherz erbaut.

Karl Emil Scherz war Architekt und wirkte als Ortschronist von Blasewitz. Er wurde 1860 in Loschwitz (damals noch nicht Teil von Dresden) als ältestes von drei Geschwistern geboren. Seine Eltern waren der Maurergeselle Carl August Scherz und dessen Frau Christiane Wilhelmine. Zwei Jahre nach der Geburt Karl Emils zog die Familie nach Blasewitz. Hier ging Scherz auf die Dorfschule und besuchte zunächst die Privatschule von Gustav Moritz Hoffarth, später die Dresdner Gewerbeschule. Von 1877 bis 1881 lernte er an der Baugewerkschule Zittau. Anschließend ging er als Zimmermann auf Wanderschaft. 1883 kehrte er nach Dresden zurück und studierte an der Dresdner Kunstakademie. Zu seinen Dozenten gehörte u. a. der berühmte sächsische Architekt Constantin Lipsius (1832–1894).

Nachdem er die Kunstakademie als Baumeister verlassen hatte, schloss er ein zweites Studium an der Technischen Hochschule in Charlottenburg an. 1889 schließlich eröffnete er sein eigenes Architekturbüro in Blasewitz, wo er bis zu seinem Tod lebte. Vom sächsischen Regenten wurde ihm 1908 der Titel »Königlicher Baurat« verliehen. Zudem bekleidete Scherz verschiedene Ehrenämter. Er wurde auf dem Tolkewitzer Johannisfriedhof bestattet.

Als Chronist engagierte sich Scherz für eine Chronik von Blasewitz und legte u. a. die »Ortsgeschichtliche Sammlung Blasewitz und Umgegend« an. Als Architekt wirkte er von 1886 und 1921 vor allem in den damaligen Dresdner Villenvororten Loschwitz und Blasewitz. Rund 90 Gebäude (darunter 35 Wohnhäuser und 24 Villen) entstammten seiner Feder. Er entwarf auch Industriebauten, Restaurants und Kirchen sowie Grabmäler. Die Heilig-Geist-Kirche in Blasewitz ist eines seiner bekanntesten Bauwerke. Das Aussehen von Blasewitz ist maßgeblich von Scherz’ Architektur geprägt. Seine Bauweise war vom historisierenden Stil und ab 1900 auch vom Jugendstil beeinflusst. Mit dem Aufkommen des Bauhauses stellte er sein architektonisches Schaffen ein.

Die für 45.000 Mark errichtete Villa Haenel hatte ursprünglich eine markante hohe Turmhaube auf dem Erker. Zudem befand sich auf der Giebelseite zur Tolkewitzer Straße eine Putzmalerei von Hans Koberstein. In ihrem Aufbau ähnelt die Villa anderen Villenbauten von Karl Emil Scherz. Diese weisen häufig eine Empfangshalle, eine Prachttreppe, Salons, Terrassen und mehrere repräsentative Wohn- und Gesellschaftsräume auf.

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